Titelbild Osteuropa 1-2/2019

Aus Osteuropa 1-2/2019

Nord Stream 2
Die politisierte Pipeline

Roland Götz

Abstract

Im Jahr 2017 stammten 36 Prozent des in Europa (ohne GUS) verbrauchten Erdgases aus Russland. Ein Viertel dieser Menge könnte künftig durch die Ostsee-Gasleitung Nord Stream 2 befördert werden. Die Gegner der Inbetriebnahme dieser Pipeline behaupten, dass sie nicht mit den Zielen der europäischen Energiepolitik vereinbar sei, ökologischen Erfordernissen keine Rechnung trage, Deutschlands Abhängigkeit von Russland zementiere, dem Kreml als außenpolitisches Druckmittel gegenüber Osteuropa diene, eine Invasion Russlands in die Ukraine ermögliche und für Gazprom ein Verlustgeschäft sei. Alle diese Argumente lassen sich bestreiten. Dennoch ist es den im EU-Parlament und der EU-Kommission stark vertretenen Gegnern der Pipeline im Februar 2019 gelungen, durch Änderung der EU-Gasrichtlinie hohe Hürden für ihren Einsatz zu errichten. Sie betreiben, was sie Russland vorwerfen: die Politisierung der west-östlichen Energiebeziehungen.

(Osteuropa 1-2/2019, S. 23–32)