Titelbild Osteuropa 6-8/2017

Aus Osteuropa 6-8/2017

Instrumentalisieren, Klittern, Verdrängen
Russlands unerwünschtes Revolutionsjubiläum

Lev Gudkov, Natalija Zorkaja

Abstract

Das sowjetische Bild von der Oktoberrevolution verschwindet nur langsam aus den Köpfen. Immer noch ist in Russland der Blick vieler Menschen auf das Jahr 1917 von der Parteigeschichte aus der Feder Stalins und von der Massenliteratur der 1960er Jahre geprägt. Gleichzeitig fördert das Putin-Regime eine spezifische Umdeutung. Ziel ist es, Stabilität und einen starken Staat als zentrale politische Werte in der Bevölkerung zu verankern. Umfragedaten belegen, dass dies gelungen ist. Diese Sicht vertreten sowohl jene, die die Oktoberrevolution als Katastrophe bewerten, als auch jene, für die die Bolschewiki Chaos und Staatszerfall überwunden haben. Vollkommen verdrängt sind hingegen die freiheitlichen Ideen der Februarrevolution. Die Ver-nichtung der Geschichte war Voraussetzung für die Etablierung des autoritären Systems.

(Osteuropa 6-8/2017, S. 19–42)