Titelbild Osteuropa 1-2/2017

Aus Osteuropa 1-2/2017

Der Osteuropahistoriker Peter Scheibert
Anmerkungen zu einer misslungenen Biographie

Egbert Jahn, Inge Auerbach

Abstract

Deutsche Historiker und Sozialwissenschaftler streiten seit Ende der 1990er Jahre über die Verstrickung einstiger Fachkollegen in das nationalsozialistische Herrschaftssystem und seine Eroberungs- und Vernichtungspolitik in der Mitte und im Osten Europas. Eine jüngst erschienene Biographie widmet sich Peter Scheibert (1915–1995), der im Auswärtigen Amt und im Sonderkommando Künsberg diente, das in den besetzten Ländern den staatlichen Kunst- und Kulturgutraub durchführte. Das Buch liefert jedoch kaum Aufschluss über Scheiberts persönliche Tätigkeit und seine politischen Ansichten in den Jahren vor 1945. Die politisch-moralische Verurteilung Scheiberts beruht auf fragwürdigen begrifflichen Schemata. Eine gründliche und kritische Auseinandersetzung mit Scheiberts geistig-politischer Entwicklung, seiner Rolle als Hochschullehrer in Marburg und seinem wissenschaftlichen Werk bleibt ein Desiderat.

(Osteuropa 1-2/2017, S. 27–59)