Titelbild Osteuropa 8-10/2016

Aus Osteuropa 8-10/2016

Leiden an der Revolution
Andrej Platonovs Leben und Werk

Hans Günther

Abstract

In jungen Jahren begeisterte sich Andrej Platonov (1899–1951) für die Revolution. Als Bewässerungstechniker beteiligte er sich an der Modernisierung des rückständigen Landes. 1927 beendete er seinen Roman Unterwegs nach Tschewengur, der vom Scheitern eines auf Armut und Brüderlichkeit beruhenden Kommunismus handelt. Sein zweiter großer Roman Die Baugrube (Kotlovan) spielt in der Zeit der Zwangskollektivierung und behandelt das Misslingen eines utopischen Bauprojekts. Beide Romane konnten zu Platonovs Lebzeiten nicht erscheinen. Seine ironische Erzählung Zum Vorteil (Vprok) über die kollektivierte Landwirtschaft rief eine wütende Reaktion Stalins hervor. Einige Jahre wurde er nicht gedruckt, doch unbeirrt schrieb er für die Schublade. Zensur, Angriffe auf ihn wegen seines literarischen Schaffens sowie persönliche Katastrophen wie die Festnahme und Verurteilung seines Sohnes zu Lagerhaft machten Platonov schließlich mürbe: Sein Vorrat an utopischer Energie war erschöpft.

(Osteuropa 8-10/2016, S. 87–112)