Titelbild Osteuropa 5/2019

Aus Osteuropa 5/2019

Von der Peripherie an die Staatsspitze
Gegenkulturen im postsowjetischen Russland

Lena Jonson

Abstract

In Russland ist eine antiliberale Subkultur der 1990er Jahre zum ästhetischen und politischen Mainstream geworden. Liberales Denken und Kunst mit emanzipatorischem Anspruch sind an den Rand gedrängt worden. In der bildenden Kunst zeigt sich dies am Aufstieg der Erben von Timur Novikovs Neuer Akademie, allen voran Aleksej Beljaev-Gintovt, die einen Neuen Realismus vertreten, der die Ästhetik des Sozialistischen Realismus aufgreift und das nationalistisch-imperiale Projekt des Kreml preist. Die liberale Aktionskunst, die in 1990er Jahren nur indirekt politisch war, wurde politisiert, dann kriminalisiert und marginalisiert. Ihre Erben gehen der Konfrontation mit dem Staat aus dem Weg, sehen ihre Kunst aber vor allem als Mittel zur ethischen Transformation der Gesellschaft.

(Osteuropa 5/2019, S. 21–53)