Titelbild Osteuropa 7/2018

Aus Osteuropa 7/2018

Dichtung zwecks Wahrheit
Georgien: Eine literarische Biographie 1988–2018

Zaal Andronikashvili

Abstract

Georgien blickt auf 1500 Jahre Schriftlichkeit zurück und verortet mit Rustavelis Epos „Der Recke im Tigerfell“ das erste literarische Stück von weltlichem Charakter im frühen 13. Jahrhundert. Doch kaum konnten Schriftsteller sich je von der Nähe zur Macht befreien – und sei es als deren Kritiker. Dies ist erst den Autoren der neuen georgischen Literatur seit Ende der 1980er Jahre gelungen. Gleichwohl verhandeln auch sie zentrale Themen des gesellschaftlichen Umbruchs. Krieg und Gewalt, den Ausbruch der Frauen aus der ihnen zugewiesenen Rolle, die neue Armut, die neue Macht der Kirche. An eine Sprache mit nur knapp vier Millionen Sprechern gebunden, bleibt die georgische Literatur eine kleine Literatur. Doch in ihr sind Werke entstanden, bei denen es sich zweifellos um große Literatur handelt.

(Osteuropa 7/2018, S. 79–102)