Titelbild Osteuropa 3-5/2018

Aus Osteuropa 3-5/2018

Fragwürdige Traditionsbestände
Die PiS, die Kresy und der Ethnonationalismus

Adam Balcer

Abstract

In Polen vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel der Ostpolitik. Die PiS wendet sich von dem Konzept ab, das seit 1989 Staatsraison war. Der Kerngedanke lautete, dass Polens Freiheit von der Souveränität der Ukraine, Litauens und Belarus abhängt, Polen deren Demokratisierung unterstützt, eigene hegemoniale Traditionen aufarbeitet und eine Politik der Versöhnung betreibt. Nun ist eine Renaissance des Mythos um die polnischen Ostgebiete (Kresy) zu beobachten. Die PiS nimmt Anleihen bei dem ethnonationalen, polonozentrischen Denken der Zwischenkriegszeit. Diese Geschichtspolitik und die Neubewertung des Massakers von Wolhynien belasten insbesondere die Beziehungen zur Ukraine.

(Osteuropa 3-5/2018, S. 495–518)