Titelbild Osteuropa 10-12/2018

Aus Osteuropa 10-12/2018

Zwischen Skylla und Charybdis
Bedrohte Wissenschaftsfreiheit in Russland

Dmitrij Dubrovskij

Abstract

Die Wissenschaft in Russland ist von Paradoxien geprägt. Obwohl sich das Putin-System scharf vom Westen, seinen Werten und Verfahren abgrenzt, steuert die Regierung Lehre und Forschung an Universitäten und Instituten zunehmend nach neoliberalen Prinzipien und Standards, die vom Westen übernommen werden. Marktlogik dominiert. Russlands Führung will die Internationalisierung der Universitäten vorantreiben und die Wettbewerbsfähigkeit der russländischen Forschung erhöhen. Gleichzeitig versucht der autoritäre Staat, die internationalen Kontakte der Wissenschaftler zu kontrollieren. Mehrere Wissenschaftler wurden nach fragwürdigen Verfahren als Spione inhaftiert, andere als „ausländische Agenten“ stigmatisiert. Die Freiheit der Wissenschaften ist sowohl von den neoliberalen Praktiken wie auch von der autoritären Herrschaft bedroht.

(Osteuropa 10-12/2018, S. 243–252)