Titelbild Osteuropa 10-12/2018

Aus Osteuropa 10-12/2018

„Imperium der Angst“
Medien und Pressefreiheit in der Türkei

Levent Nehir

Abstract

Die Pressefreiheit war in der Türkei nie gesichert. Restriktive Gesetze zogen enge Grenzen. Zusätzlich schränkte die Armee immer wieder Journalisten und Medien in ihrer Arbeit ein. Seit Sommer 2016 hat sich die Lage weiter verschlechtert. Die Regierung unter Recep Tayyip Erdoğan nahm den Putschversuch zum Anlass für einen Angriff auf die Medien. Fast 200 Fernsehsender, Nachrichtenagenturen und Zeitungen wurden geschlossen, Tausende Journalisten unter dem Vorwurf der Unterstützung einer Terrororganisation oder der „Terrorpropaganda“ entlassen und mit Berufsverbot belegt, Hunderte verhaftet, verurteilt oder ins Exil getrieben. Kritische, unabhängige Medien sind ausgeschaltet. Die Regierung kontrolliert heute direkt oder indirekt über AKP-nahe Holdings 90 Prozent der Medien. Die Bedingungen, unter denen die Presse in der Türkei heute arbeitet, müssen als „unfrei“ bewertet werden.

(Osteuropa 10-12/2018, S. 231–242)