Titelbild Osteuropa 9-10/2017

Aus Osteuropa 9-10/2017

Völkerfriede
Idee und Realität des kommunistischen Internationalismus

Egbert Jahn

Abstract

Als zentrale Ursache der Oktoberrevolution gilt gemeinhin das Elend der Arbeiter und Bauern. Tatsächlich war es aber nicht so sehr die soziale Frage an sich als vielmehr ihre Verschärfung durch interethnonationale und internationale Konflikte, die den Kommunismus im 20. Jahrhundert für Hunderte Millionen Menschen so anziehend machte. Der Kapitalismus galt nicht nur als Ursache von Ungleichheit und Ausbeutung, sondern auch von verheerenden Kriegen zwischen den Nationen. Doch Lenin und die Bolschewiki definierten das Selbstbestimmungsrecht der Völker lediglich aus taktischen Gründen als Separationsrecht. Unter Stalin wurde der Internationalismus zur Ideologie eines russischen Hegemonialnationalismus. Der Kommunismus hat sich diskreditiert, doch die Suche nach einer inner- und zwischenstaatlichen Ordnung, die friedliche Beziehungen zwischen den Völkern erlaubt, geht weiter.

(Osteuropa 9-10/2017, S. 117–136)