Titelbild Osteuropa 9-10/2017

Aus Osteuropa 9-10/2017

„Ich glaube an die Kraft des Erzählens“
Über historisches Erinnern, die polnische Reportage und Teelöffel im Revers

Martin Pollack

Abstract

Der Schriftsteller, Publizist und Übersetzer Martin Pollack erklärt die Wahl seines Studienfachs Slavistik als infantile Reaktion auf seine Großmutter, sieht im jahrhundertelangen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Sprache und Religion den Geist Europas, ehe Nationalismus, Nationalitätenkonflikte und der Nationalsozialismus dieses Zusammenleben zerstörten. Er will an diese Vergangenheit erinnern, indem er erzählt, was gewesen war, was geschah, und wer Täter und wer Opfer war. Die literarische, historische Erinnerung bedarf eines besonderen Tons. Ruhe statt Pathos, Distanz statt Dramatisierung sind die sprachlichen Mittel, um der Monstrosität der Verbrechen gerecht zu werden, die den Osten Europas bis heute kontaminieren.

(Osteuropa 9-10/2017, S. 17–29)