Titelbild Osteuropa 3-4/2017

Aus Osteuropa 3-4/2017

Marburger Historikerstreit
In Sachen Scheibert: Der Revisionismus formiert sich

Stefan Plaggenborg

Abstract

Egbert Jahns und Inge Auerbachs Verriss des Buchs von Esther Abel über den Osteuropahistoriker Peter Scheibert ist inakzeptabel. In der Sache ist die Kritik inhaltlich und methodisch unbegründet. Sie hat die Funktion, die Frage von Schuld und Verantwortung Scheiberts für seine Mitwirkung im Zweiten Weltkrieg und am Kunstgüterraub zum Verschwinden zu bringen. Dabei fallen Jahn und Auerbach hinter den Stand der historiographischen Aufarbeitung und der juristischen Beurteilung von Schuld zurück. Die Ausführungen enthalten deutliche Merkmale eines revisionistischen Diskurses, der von gesellschaftspolitischer Bedeutung ist. Denn der Aufsatz stellt ein Signal dar, das die Aufarbeitung der Aktivitäten von Historikern im Nationalsozialismus zum Stillstand bringen möchte.

(Osteuropa 3-4/2017, S. 157–166)