Titelbild Osteuropa 6-7/2016

Aus Osteuropa 6-7/2016

Sowjetisch in der Form, „usbekisch“ im Inhalt
Geschichtspolitik und Musealisierung in Usbekistan

Henning Lautenschläger, Moritz Sorg, Max Trecker

Abstract

Usbekistans Umgang mit der eigenen sowjetischen Vergangenheit ist widersprüchlich. Einerseits versucht sich die Elite von der Sowjetunion abzugrenzen, andererseits stammt sie selbst aus der sowjetischen Zeit. Die Eliten von damals kontrollieren Politik und Wirtschaft des Landes. Einerseits versucht das Regime, für die nationale Unabhängigkeit und die politische Ordnung von heute Legitimität zu gewinnen, andererseits herrscht in der Gesellschaft eine ausgeprägte Sowjetnostalgie. Geschichtspolitik und staatliche Museen stellen die Sowjetunion als Fortsetzung der zarischen Herrschaft über Zentralasien dar, die durch koloniale Ausbeutung und Machtasymmetrie zwischen Zentrum und Peripherie geprägt gewesen sei. Doch schon immer seien die Usbeken zur kulturellen Selbstbehauptung durch Widerstand gegen fremde Unterdrücker fähig gewesen. Die Elite legitimiert die Kontinuität ihrer Herrschaft, indem sie sich als schon immer usbekisch national gesonnen darstellt.

(Osteuropa 6-7/2016, S. 237–252)