Titelbild Osteuropa 4/2015

Aus Osteuropa 4/2015

Antiamerikanismus in Putins Russland
Schichten, Spezifika, Funktionen

Lev Gudkov

Abstract

Antiamerikanismus in Russland ist Teil des tiefen Ressentiments und der kollektiven negativen Identität in der Bevölkerung. Seine Besonderheit besteht in der Verschmelzung historischer antiwestlicher Vorstellungen mit der kommunistischen Ideologie. Im Amerikabild lassen sich all jene Schichten freilegen, die sich während des sowjetischen Totalitarismus im kollektiven Unterbewusstsein der Menschen in Russland abgelagert haben. Dies nutzt die Propaganda des Putin-Systems virtuos. Seit den Demonstrationen gegen die Wahlfälschung im Winter 2011, vor allem aber nach Russlands Annexion der Krim und dem Krieg im Donbass ist der Antiamerikanismus zu einem Kernelement der autoritären Herrschaft geworden. Antiamerikanismus dient der Mobilisierung der Bevölkerung zum Zwecke der Konsolidierung des Regimes.

(Osteuropa 4/2015, S. 73–97)