Titelbild Osteuropa 8/2014

Aus Osteuropa 8/2014

Identität und Macht
Wann und warum Repression akzeptiert wird

Bernd Simon

Abstract

Macht wird in der älteren Sozialpsychologie meist als Abhängigkeitsverhältnis beschrieben: als Kontrolle über bestimmte Ressourcen, von denen andere abhängen. Dieser Ansatz erklärt jedoch nicht die Gründe einer solchen Abhängigkeit. Ihr liegen stets eine gemeinsame Identität und ein damit verbundener Konsens zwischen Kontrollierenden und Kontrollierten zugrunde. Diese kollektive Identität, die dem Einzelnen erst eine sinnvolle soziale Existenz ermöglicht, motiviert Menschen, auch Herrschaft und Repression zu akzeptieren. Doch kollektive Identitäten tragen auch den Keim des Widerstands gegen die Macht in sich. Der Missbrauch der kollektiven Identität, etwa in Form gebrochener Versprechen, ruft die politische Konkurrenz auf den Plan.

(Osteuropa 8/2014, S. 63–72)