Titelbild Osteuropa 11-12/2014

Aus Osteuropa 11-12/2014

Wahnsinn mit System
Psychiatrische Anstalten in der späten UdSSR

Christian Werkmeister

Abstract

Nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere aber in den 1970er Jahren baute der sowjetische Staat die Psychiatrie systematisch zu einem Repressionsinstrument aus. Dieser Missbrauch beschränkte sich nicht auf politische Dissidenten, sondern umfasste einen viel größeren Personenkreis. Völlig gesunde Menschen wurden auf der Basis fragwürdiger Diagnosen wie „schleichende Schizophrenie“ und zweifelhafter Gerichts- oder Behördenurteile in geschlossenen Anstalten zwangsbehandelt. Ziel war nicht die Heilung der Insassen, sondern eine dauerhafte Isolierung missliebiger Bürger von der Gesellschaft.

(Osteuropa 11-12/2014, S. 133–152)