Titelbild Osteuropa 5-6/2013

Aus Osteuropa 5-6/2013

Rückhalt im eigenen Land
Die Kommunisten in der Tschechoslowakei

Jiří Pernes

Abstract

Die kommunistische Ordnung in der Tschechoslowakei wurde nicht auf den Bajonettspitzen der Sowjetarmee errichtet. Aus den Wahlen 1946 ging die KSČ im tschechischen Landesteil als stärkste Partei hervor. Sie kontrollierte das Innenministerium, die Polizei und die Geheimdienste. Die Kommunisten unterminierten die parlamentarische Demokratie. Sie schalteten andere Parteien und Gegenkräfte wie die Kirche aus. Die Öffentlichkeit unterstützte diesen Kurs, der zur kommunistischen Alleinherrschaft, der Anlehnung der ČSSR an Moskau und den Aufbau einer Wirtschaftsordnung sowjetischen Typs führte. Strukturelle Mängel und Entwicklungsschwächen ließen politische und wirtschaftliche Reformen reifen, die im Prager Frühling gipfelten. Nicht die sowjetische Intervention 1968, sondern die Parteiherrschaft der 1970er und 1980er Jahre, die zu Hoffnungslosigkeit und Siechtum führte, brachten die Menschen dazu, gegen das Regime aufzubegehren.

(Osteuropa 5-6/2013, S. 191–206)