Titelbild Osteuropa 6-8/2012

Aus Osteuropa 6-8/2012

Niedergang und Neuanfang
Die Krise der deutschen Russlandexpertise

Manfred Sapper

Abstract

Die Russlandexpertise der deutschen Ökonomen, Politologen und Soziologen ist bedrohlich gering. Das ist das Ergebnis von falschen wissenschaftspolitischen Entscheidungen. Nach 1991 galt Osteuropakompetenz als überflüssig. Institute wurden geschlossen, Lehrstühle umgewidmet. Heute sind weder Universitäten noch Institute fähig, aktuelle Entwicklungen in der Innen- und Außenpolitik, der Wirtschaft und Gesellschaft Russlands einzuordnen, zu erklären und Handlungsoptionen zu entwickeln. Die Ausbildung von Nachwuchs mit Russlandprofil findet praktisch nicht mehr statt. Das alles schadet wichtigen gesellschaftlichen und politischen Interessen Deutschlands. Ein Neustart in der Regionalforschung ist nötig: Nach dem Vorbild von Polen und Finnland braucht Deutschland ein interdisziplinäres Russlandzentrum.

(Osteuropa 6-8/2012, S. 505–520)