Titelbild Osteuropa 3/2012

Aus Osteuropa 3/2012

Opfer ohne Täter
Kasachische und ukrainische Erinnerung an den Hunger 1932/33

Robert Kindler

Abstract

In der Ukraine ist die Hungersnot von 1932/33 ein wesentlicher Bestandteil nationaler Identität, während dem Thema im ebenso betroffenen Kasachstan deutlich geringere Bedeutung beigemessen wird. So unterschiedlich beide Gesellschaften mit diesem dunklen Kapitel ihrer Geschichte umgehen, in einem Punkte gleichen sich die Erzählungen über die Hungersnot: Hier wie dort dominiert eine Opferperspektive, die weitgehend ohne Täter auskommt. Diese Seite der eigenen „schlimmen Vergangenheit“ zu beschweigen, erscheint aus kasachischer wie ukrainischer Perspektive durchaus rational.

(Osteuropa 3/2012, S. 105–120)