Titelbild Osteuropa 12/2011

Aus Osteuropa 12/2011

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“
Ungarns gescheiterte Übergänge nach Europa

Rudolf Ungváry

Abstract

Die aktuelle politische Atmosphäre in Ungarn ist nicht zu verstehen, ohne in die Vergangenheit zu blicken. Hier liegen die Wurzeln des autoritären, nationalistischen und klerikalen Denkens der herrschenden Elite. Sie knüpft an rechte Traditionen, Werte und Praktiken aus der Zwischenkriegszeit an, die nie aufgearbeitet wurden. Der Staatssozialismus verhinderte dies durch das Fehlen von Öffentlichkeit. Stattdessen verstärkte er ein politisches Denken in den Freund-Feind-Kategorien. Nun zahlt Ungarn den Preis für die Risiken der Freiheit ohne die Erfahrung mit der Freiheit. Präsident Orbán und der Fidesz mobilisieren die Neigung zur politischen Hysterie und zum Ressentiment, die in breiten Kreisen der Bevölkerung vorhanden ist, zum Aufbau eines illiberalen Systems.

(Osteuropa 12/2011, S. 119–134)