Titelbild Osteuropa 1/2011

Aus Osteuropa 1/2011

Eine mäßig verfaulte, große Republik
Czesław Miłoszs ambivalentes Amerikabild

Ulrich Schmid

Abstract

Seit der Romantik gibt es in Polen eine ausgeprägte Amerika-Begeisterung. Czesław Miłosz (1911–2004), der prominenteste polnische Immigrant des 20. Jahrhunderts in den USA, hebt sich durch seine Skepsis gegenüber westlichen Gesellschaftsformen wie Demokratie und Kapitalismus deutlich von dieser Tradition ab. Aus seiner Sicht werden die USA von einer rohen Natur dominiert und bleiben aufgrund ihrer Geschichtslosigkeit blind für die Lektionen der beiden Weltkriege, die vor allem Europa heimgesucht haben. Sein eigenes Dichteramt nahm Miłosz wahr als Verteidigung einer gewachsenen und religiös überformten Kultur, die von Rationalisierung, Technisierung und Ökonomisierung bedroht ist.

(Osteuropa 1/2011, S. 191–206)