Titelbild Osteuropa 2-3/2009

Aus Osteuropa 2-3/2009

Der verschwundene Schatten
Der Regimekollaps der ČSSR im Vergleich

Oldřich Tůma

Abstract

Der Kollaps des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei kam spät, aber rasch. Als der Schatten des Jahres 1968 verschwunden und die Angst gebannt war, reagierte die Gesellschaft spontan, und der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft beschleunigte sich rasant. Obwohl die KPČ viel länger unbeweglich blieb als das polnische und das ungarische Regime, gab es auch viele Gemeinsamkeiten. Die zusammenbrechenden Regimes hatten sich auf die gleiche Ideologie und die gleichen Methoden gestützt. So traten ihnen auch dieselben Kräfte mit derselben Taktik entgegen. Vor allem aber beeinflussten sich die Entwicklungen gegenseitig. Besonders die Wechselwirkung zwischen den Ereignissen in der DDR und in der Tschechoslowakei war intensiv. Entscheidend für die bedingungslose Kapitulation ohne Gegenwehr war, dass die Sowjetunion den Regimes jegliche Unterstützung entzogen hatte.

(Osteuropa 2-3/2009, S. 85–96)