Titelbild Osteuropa 7/2008

Aus Osteuropa 7/2008

Posttotalitäre Amnesie
Der Prager Frühling in Russlands Öffentlicher Meinung

Lev Gudkov

Abstract

Der Prager Frühling, die Intervention der Warschauer-Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei und die Unterdrückung der Demokratisierung, womit die Abkehr von einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ und später von der Idee des Sozialismus an sich verbunden war, haben in Russlands Öffentlicher Meinung von heute kaum Spuren hinterlassen. Darin kommen nicht nur die spezifischen Defizite der Sowjetgesellschaft zum Ausdruck, in der es keine freie Presse und Öffentlichkeit gab, sondern totalitäre Propaganda. Die weitgehende Verdrängung von Prag ’68 und der Folgen hat auch damit zu tun, dass das imperiale Bewusstsein in breiten Kreisen der Bevölkerung fortbesteht.

(Osteuropa 7/2008, S. 57–66)