Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Pluralität der Erinnerung
Denkmäler und Geschichtspolitik in der Ukraine

Andrij Portnov

Abstract

Die Rede von den „zwei Ukrainen“, einem ukrainischsprachigen Westen und einem russischsprachigen Osten, mag für manche Bereiche gelten. Geschichtspolitik und Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg lassen sich jedoch nicht in diese Dichotomie pressen. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden in der Ukraine zahlreiche neue Denkmäler errichtet. Die regionalen Eliten fanden hier ein dankbares Betätigungsfeld. Obwohl fast jedes Denkmal und das dahinter stehende Geschichtsbild für sich genommen einseitig und autoritär ist, ergibt sich aus der Verschiedenheit der Gedenkorte ein gewisser Pluralismus. Die vielgestaltige Erinnerungskultur sorgt für gesellschaftliche Stabilität, da keine Bevölkerungsgruppe systematisch ausgegrenzt wird.

(Osteuropa 6/2008, S. 197–210)