Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Opa in Europa
Befunde einer vergleichenden Tradierungsforschung

Harald Welzer, Claudia Lenz

Abstract

Die Neubewertung des Zweiten Weltkriegs, des Holocaust, der Besatzung, der Kollaboration und des Widerstands sind überall in Europa zentrale Themen öffentlicher Debatten. Die Tradierung von Geschichte und die Konstruktion von Vergangenheitsbildern spielen eine wichtige Rolle für die Selbstvergewisserung von Individuen, Gruppen und Nationen. Die offizielle Erinnerungs- und Gedenkkultur, die sich dabei etabliert, kann erheblich von den privaten Erinnerungen abweichen. Dies ist in Deutschland der Fall, wo die Enkel gute Omas und Opas erfinden, um sich der negativen Identitätszumutung zu erwehren. Auch in Serbien und Kroatien haben junge Menschen Probleme, Vergangenheit als Identitätsressource zu nutzen. Demgegenüber kann die junge Generation in vielen westeuropäischen Staaten problematische Aspekte ihrer Nationalgeschichte akzeptieren, weil dort die nationale Identität keine Fragen aufwirft.

(Osteuropa 6/2008, S. 41–56)