Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Geschichtsstunde
Der Zweite Weltkrieg im polnischen Schulbuch

Krzysztof Ruchniewicz

Abstract

Schulbücher vermitteln historisches Wissen und prägen die kollektive Erinnerung. Sie verraten viel über herrschende Geschichtsbilder. In Polen ist die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die totalitäre Erfahrung von zentraler Bedeutung. Angesichts der Versuche der Regierungen unter Jarosław Kaczyński, durch eine besondere Geschichtspolitik die polnische Erinnerung auf eine Lesart festzulegen, stellt sich die Frage, wie erinnerungspolitische Streitthemen wie der Ribbentrop-Molotov-Pakt, Katyń oder der Holocaust in den polnischen Schulbüchern behandelt werden. Die Schulbücher halten der Kritik stand. Die Autoren haben sich der Geschichtspolitik nicht unterworfen. Die Geschichtsbücher sind problemorientiert angelegt und behandeln neben heroischen Seiten der polnischen Geschichte auch schmerzhafte Punkte wie Jedwabne.

(Osteuropa 6/2008, S. 285–306)