Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Das „totalitäre Zeitalter“?
Demokratie und Diktatur in Tschechiens Erinnerungspolitik

Christiane Brenner

Abstract

Vergangenheitspolitik ist Zukunftspolitik. Für diesen Zusammenhang ist das Gespür in Tschechien wie in anderen ostmitteleuropäischen Staaten besonders ausgeprägt. Daher löste das Jahr 1989 einen regelrechten Geschichtsboom aus. In Tschechien etwa bemühte man sich um die „Wiederentdeckung“ der demokratischen Tradition der Ersten Republik. Viel kontroverser noch als diese Suche nach positiven Wegmarken der eigenen Geschichte war die Debatte über eine Neubewertung der Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Seit einigen Jahren wird nun um die Schaffung eines Geschichtsbildes gerungen, das die doppelte Diktaturerfahrung der tschechischen Gesellschaft seit 1938 zusammenführt.

(Osteuropa 6/2008, S. 103–116)