Titelbild Osteuropa 6/2007

Aus Osteuropa 6/2007

Auf Wasser und Blut gebaut
Der hydrotechnische Archipel Gulag

Klaus Gestwa

Abstract

Der „Terror der hydraulichen Despotie“ hatte sich kaum jemals eindrucksvoller niedergeschlagen als im hydrotechnischen Archipel GULag. Seine Geschichte begann 1931, als ein Heer von Zwangsarbeitern mit der Fertigstellung des berüchtigten Belomorkanals eine kaum mehr übersehbare Spur von Unterdrückung und Ausbeutung in der Landschaft und Geschichte der Sowjetunion hinterließ. Fortan beförderte der Bau gigantischer Kanäle und Flußkraftwerke maßgeblich den Aufschwung des GULag zum Wirtschaftsimperium. Die fortschreitende Technisierung des Bauwesens erhöhte allerdings die Anforderungen an die Qualität der Arbeit, so daß die Lagerwirtschaft ab 1948 immer tiefer in die Krise geriet. Nach Stalins Tod ließen sich die Großbaustellen und ihre Lagerkomplexe durch Massenamnestien und Reformen nicht mehr in Bildungs- und Resozialisationsstätten umgestalten.

(Osteuropa 6/2007, S. 239–266)