Titelbild Osteuropa 12/2007

Aus Osteuropa 12/2007

Im Zerrspiegel der Geschichte
Deutsche Bilder von Ilja Ehrenburg

Eveline Passet

Abstract

Leben und Werk des russischen Schriftstellers Ilja Ehrenburg spiegeln die großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Dies zeigt sich auch in seiner Rezeption in West- und Ostdeutschland. In der Bundesrepublik gehörte die Diskussion über Ehrenburg zu der großen Debatte der 1960er Jahre über die Schuld der Kriegsgeneration. Den Rechtsextremen war er ein Deutschenhasser und manchem Moskaukritiker ein Erfüllungsgehilfe Stalins. In der DDR gehörte die Auseinandersetzung um die Veröffentlichung seiner Memoiren zu der großen Debatte um die Entstalinisierung und Humanisierung des Sozialismus, die nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 begann. Für die SED-Oberen war dieses Werk lange untragbar, weil es ihnen ästhetisch und inhaltlich von subversiver Sprengkraft erschien. Ehrenburgs geistiger Tonus war den kontrollwahnbesessenen Apparaten, die allzeit Zugriff auf das Innenleben der Menschen haben wollten, gefährlich.

(Osteuropa 12/2007, S. 17–48)