Titelbild Osteuropa 8/2006

Aus Osteuropa 8/2006

„Ich hab euch niemals geliebt, ihr Götter!“
Šostakovič und die proletarische Musik

Levon Hakobian

Abstract

Šostakovičs Kontakte zur "proletarischen" Musik der 1920er Jahre finden in der Zweiten Symphonie zum 10. Jahrestag der Oktoberrevolution ihren Ausdruck. Auch seine abschätzige Äußerung zur "leichten" Musik steht im Einklang mit der Ideologie des Proletkult. Gleichzeitig verachtete er die Musik "proletarischer" Komponisten und war erleichtert, als 1932 ihr Verband (RAMP) aufgelöst wurde. 25 Jahre später wendet er sich in der Elften Symphonie erneut der Ästhetik der "proletarischen" Musik zu. Zudem bearbeitet er zwei Chöre des führenden "proleta­rischen" Komponisten Aleksandr Davidenko. Vermutlich ist das Interesse des reifen Šostakovič an der Musik, von der er sich früher distanziert hatte, eine Umwertung ideologischer Werte, die für viele Intellektuelle der "Tauwetterperiode" typisch sind.

(Osteuropa 8/2006, S. 109–118)