Titelbild Osteuropa 11-12/2006

Aus Osteuropa 11-12/2006

Eine glückliche Familie
Die Giertychs und ihre Ideologie

Ulrich Schmid

Abstract

Polens Bildungsminister Roman Giertych stammt aus einer politisch äußerst aktiven Familie und gehört der erzkonservativen Liga der Polnischen Familien an. Als Jugendlicher hatte er die nationalistische Bewegung der Wszechpolacy gegründet. Romans Vater Maciej Giertych vertritt die Liga im Europaparlament und spricht sich in seiner Publizistik gegen das angebliche deutsche Hegemonialstreben in Europa und für traditionelle Familienwerte aus. Der Großvater ist Jędrzej Giertych, der sich in der Zwischenkriegszeit als nationalistischer Publizist einen Namen gemacht hatte. Die Familie Giertych beruft sich in ihrem politischen Credo auf den nationaldemokratischen Politiker Roman Dmowski und auf den katholischen Historiosophen Feliks Koneczny. Konstanten des ideologischen Weltbilds der Giertychs sind eine enge Verbindung zwischen polnischer Nation und Katholizismus, eine Abwehrhaltung gegen Europa sowie Verschwörungstheorien, in dem die Deutschen, die Homosexuellen und in wechselnden Positionen die Juden oder die Freimaurer als Feinde auftreten.

(Osteuropa 11-12/2006, S. 69–80)