Titelbild Osteuropa 5/2019

Aus Osteuropa 5/2019

Wider den „Niedergang der Nation“
Die Kampagne gegen Musiker in Russlands Regionen

Evgenij Kazakov

Abstract

Im Herbst 2018 wurden in Russland 40 Konzerte verboten. Betroffen waren musikalisch und politisch höchst unterschiedliche Künstler. Gemeinsam haben sie, dass sie vor allem ein jugendliches Publikum anziehen. Das Vorgehen folgte einem Muster. „Empörte Eltern“ wandten sich an die Behörden und verlangten ein Verbot der Auftritte, um Minderjährige vor „destruktiven Inhalten“ zu schützen. Häufig griff die Polizei direkt ein, mitunter gar der FSB oder Spezialeinheiten des Innenministeriums. Hinter der Kampagne steht jedoch kein Kampf gegen die Opposition. Vielmehr handelt es sich bei dem Vorgehen gegen Hip-Hopper und Rapper um einen Fall von „moral panic“. Der Staat bekämpft fiktive Gefahren mit realen Mitteln. Die politische Führung will auf diese Weise Legitimität erheischen.

(Osteuropa 5/2019, S. 107–121)