Titelbild Osteuropa 5/2019

Aus Osteuropa 5/2019

Alternative statt Protest
Pragmatische Wende in der neuen russischen Kunst

Klavdia Smola

Abstract

Russische Aktionskünstler wie Pavel Pavlenskij oder die Gruppe Pussy Riot haben mit ihren spektakulären Aktionen international Aufmerksamkeit erregt. Dieser „heroische“ Protest wurde jedoch – nicht zuletzt aufgrund seines Scheiterns – bereits seit Mitte der 2010er Jahre von einer neuen Form des Widerstands gegen das autoritäre Regime abgelöst. Gruppen wie Partizaning und ZIP setzen nicht mehr auf Konfrontation mit der Staatsmacht, sondern auf Transformation der Gesellschaft – mit den Mitteln partizipativer Kunst. Es geht ihnen etwa um eine neue Deutung und humane Gestaltung des Stadtraums. Viele Projekte greifen ästhetisch und politisch die sowjetische Kunst aus den frühen 1920er Jahre auf, fügen sich aber auch in die engagierten Performances der globalen Do-It-Yourself-Bewegung und der westlichen minimalistischen Kunst der 1960er Jahre sowie in den globalen Trend zur „relationalen Ästhetik“ ein.

(Osteuropa 5/2019, S. 73–89)