Titelbild Osteuropa 10-12/2018

Aus Osteuropa 10-12/2018

Das Osmanische und das Russische Reich
Beziehungsanalyse in vergleichender Absicht

Fikret Adanır

Abstract

Das Russische Reich und das Osmanenreich haben über Jahrhunderte riesige Räume im Osten und Südosten Europas geprägt. Als die territoriale Expansion kleine Fürstentümer zu Imperien machte, entwickelte das Osmanische Reich mit der Millet-Ordnung ein vormodernes System der Integration durch Vergabe von Rechten und Privilegien an nichtislamische Glaubensgemeinschaften. Das Russische Reich setzte zwar auch auf die Kooptation lokaler Eliten, übte aber stärkeren Assimilierungsdruck aus. Die Ausdehnung des Osmanischen Reichs bis ans Nordufer des Schwarzen Meeres im 15. Jahrhundert sowie der Vorstoß des Moskauer Reichs nach Süden und Osten Mitte des 16. Jahrhunderts schufen die Grundlage für imperiale Konkurrenz. Ab dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts führten Moskau und die Hohe Pforte einen 200 Jahre währenden Dauerkrieg im Süden der heutigen Ukraine und im Kaukasus. Auf Dauer war das Osmanische Reich unterlegen. Dies hatte nicht so sehr mit einer rückständigeren Gesellschaftsordnung zu tun als vielmehr damit, dass das Russische Reich als christlicher Staat im europäischen Mächtesystem besser positioniert war.

(Osteuropa 10-12/2018, S. 7–49)