Titelbild Osteuropa 1-2/2018

Aus Osteuropa 1-2/2018

Zwischen den Stühlen
Dokument und Fiktion bei Svetlana Aleksievič

Tine Roesen

Abstract

Svetlana Aleksievič ist eine ungewöhnliche Literaturnobelpreisträgerin. Sie erfüllt viele der Kriterien nicht, auf die sich die Schwedische Akademie bei ihrer Auswahl implizit stützte. Auch ist das Genre ihrer Werke schwer zu fassen. Unbestreitbar ist es Augenzeugenliteratur, zugleich aber eine besondere Form davon. Ihr Umgang mit den Dokumenten, auf die sie ihre Werke stützt, wurde kritisiert. Diese Kritik verkennt, dass es sich um Literatur handelt. Die Wahrheit, die sie produziert, ist eine andere als die des Historikers. An der Authentizität der Gespräche, aus denen die Bücher Aleksievičs hervorgegangen sind, ist dennoch nicht zu zweifeln.

(Osteuropa 1-2/2018, S. 99–108)