Titelbild Osteuropa 1-2/2018

Aus Osteuropa 1-2/2018

Vielstimmige Gegengeschichten
Kriegserfahrung und Kriegsdarstellung bei Ales’ Adamovič, Daniil Granin und Svetlana Aleksievič

Nina Weller

Abstract

Svetlana Aleksievičs Bücher Der Krieg hat kein weibliches Gesicht und Die letzten Zeugen gehören zu den erschütterndsten literarischen Verarbeitungen des Zweiten Weltkriegs. Sie stellen einen Gegenpol zum Siegeskult um den „Großen Vaterländischen Krieg“ dar. Mit ihrer Dokumentarprosa knüpft Aleksievič an Ales’ Adamovič und Daniil Granin an. Diese hatten die Erinnerungen von Zeitzeugen literarisch bearbeitet und so die ideologisierte Kriegsdarstellung aufgebrochen. Aleksievič folgt einer an „lebendiger Zeugenschaft“ und Authentizität orientierten ethisch-moralischen Intention, die „ganze Wahrheit“ über den Krieg zu erzählen. Die mehrstimmige Dokumentarprosa ist ein Mittel gegen das Vergessen und Verdrängen; die „chorische Zeugenschaft“ ihr poetologisches Prinzip.

(Osteuropa 1-2/2018, S. 165–182)