Titelbild Osteuropa 1-2/2018

Aus Osteuropa 1-2/2018

Polyphonie auf den Trümmern des Sozialismus
Svetlana Aleksievičs Werk aus Sicht der Oral History

Julia Obertreis

Abstract

Svetlana Aleksievič wird mitunter mit der Oral History in Verbindung gebracht. Doch ihr Werk gehört nicht zu dieser Disziplin. Aleksievič bearbeitet und präsentiert die geführten Interviews als Literatin. Sie gibt aber wie die Oral History jenen Menschen eine Stimme, deren Erfahrungen in den offiziellen Geschichtsnarrativen nicht vorkommen. Aleksievičs Werk bietet den Geschichts- und Geisteswissenschaften zahlreiche Anregungen, vernachlässigte Aspekte der sozialistischen und postsozialistischen Gesellschaft zu untersuchen. Dazu zählen der Umgang mit den Folgen des stalinistischen Terrors und wie die Menschen den Umbruch Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre erlebten, der häufig mit materiellen und mentalen Verlusten verbunden war.

(Osteuropa 1-2/2018, S. 117–134)