Titelbild Osteuropa 1-2/2018

Aus Osteuropa 1-2/2018

Ein eigener Ton
Svetlana Aleksievič, das Belarussische und die russische Kultur

Ulrich Schmid

Abstract

Das Verhältnis von Nationalliteratur und Weltliteratur ist bei Svetlana Aleksievič nicht einfach zu fassen. Sie bezeichnet sich explizit als belarussische Autorin, unterstreicht aber immer wieder ihre Zugehörigkeit zur größeren russischen Kultur, ja sogar zu einem kosmopolitischen Projekt. In jüngster Zeit ist diese Selbstzuschreibung in Widerspruch zur Kreml-Initiative der „Russischen Welt“ geraten, in der die russischen „Landsleute“ außerhalb der Russländischen Föderation kulturell, wertmäßig und letztlich auch politisch enger an das Vaterland gebunden werden sollen. Solch patriotische Töne sind Svetlana Aleksievič fremd. Gleichwohl lässt sich ihr kosmopolitisches Selbstverständnis nicht konfliktlos in die aktuellen Debatten um eine belarussische Nationalliteratur integrieren.

(Osteuropa 1-2/2018, S. 135–148)