Titelbild Osteuropa 6-8/2017

Aus Osteuropa 6-8/2017

Konservative Sinnsuche
Die russische Philosophie der Gegenrevolution

Nikolaj Plotnikov

Abstract

Die negative Wahrnehmung der Revolution von 1917 im heutigen Russland hat ihre Wurzeln in der Zeit der Perestrojka. Damals wurden die Schriften von Revolutionsgegnern wie Nikolaj Berdjaev erstmals in riesigen Auflagen publiziert und rezipiert. Eine zentrale Rolle spielte der Sammelband De profundis (1918), dessen Autoren über den metaphysischen „Sinn“ der Revolution reflektierten. Viele von ihnen sahen den sozialen Kataklysmus als Strafe für das moralische Versagen der Intelligencija und hofften auf eine nationale Wiedergeburt. Diese konservative „Philosophie der Gegenrevolution“ hat das politische Denken des postsowjetischen Russland stark beeinflusst. Wesentliche Elemente sind eine Politik aus dem Geist der Religion, nationale Sonderwege und die Ablehnung von Kommunismus und liberaler Demokratie gleichermaßen.

(Osteuropa 6-8/2017, S. 243–258)