Titelbild Osteuropa 6-8/2017

Aus Osteuropa 6-8/2017

Hybride Erinnerung in Belarus
Eine Literaturschau zur Oktoberrevolution

Aleksej Bratočkin

Abstract

Bis heute hat Belarus offiziell nicht mit der sowjetischen Vergangenheit gebrochen. Der sowjetische Mythos der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ lebt allerdings nicht unverändert fort. Die Erinnerung an 1917 entspricht den Bedürfnissen des Regimes von Aljaksandr Lukašenka. Zur Legitimation der eigenen Staatlichkeit gewannen die nationale Frage und die Ausrufung der Belarussischen Volksrepublik 1918 an Aufmerksamkeit. Die sowjetische Lesart, dass die Revolution der Durchbruch zu Gerechtigkeit und Gleichheit gewesen sei, wird weiter gepflegt. Gleichzeitig ist der Begriff „Revolution“ zunehmend negativ konnotiert. Denn Umsturz oder Wandel fürchtet das autoritäre Lukašenka-Regime wie der Teufel das Weihwasser.

(Osteuropa 6-8/2017, S. 305–322)