Titelbild Osteuropa 3-4/2017

Aus Osteuropa 3-4/2017

Geklaut haben immer die anderen!
Ausblendungen und Rechtfertigungsstrategien: Der NS-Kunstraub in Osteuropa

Corinna Kuhr-Korolev, Ulrike Schmiegelt-Rietig

Abstract

Bis heute werden die nationalsozialistische Kulturvernichtung und der Kunstraub in Osteuropa bagatellisiert. Strategien zur Entlastung und Rechtfertigung, die im Zweiten Weltkrieg entstanden, werden unreflektiert fortgeschrieben. Am Kulturgutraub in der Sowjetunion waren verschiedene, rivalisierende deutsche Institutionen beteiligt. Dies bot Tätern und Helfern die Möglichkeit, die Verantwortung jeweils auf andere abzuwälzen und ihr eigenes Handeln als „Sicherung“ oder „Rettung“ von Kulturgütern darzustellen. Vielfach wurde der Raub als solcher semantisch entsorgt und als normaler Teil des Kriegsgeschehens dargestellt. Über Jahrzehnte blieben der Kulturgutraub und die Kulturzerstörung der Deutschen in der Sowjetunion aus dem Bewusstsein ausgeblendet. In der deutschen Politik und Öffentlichkeit genießt das Problem des NS-Kunstraubs in der Sowjetunion nicht den Stellenwert, den es verdient.

(Osteuropa 3-4/2017, S. 167–180)