Titelbild Osteuropa 3-4/2017

Aus Osteuropa 3-4/2017

Die Kunst der Stunde
Restitution zwischen Expertise und Diplomatie: Aus dem Maschinenraum der deutsch-russischen Kulturbeziehungen

Wolfgang Eichwede

Abstract

In der Kunstrestitution verdichten sich traumatische Geschichte und dramatische Gegenwart. Dies gilt besonders für das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland. Der Rückblick auf 30 Jahre des Miteinander und des Gegeneinander in Fragen der Beutekunst und der Raubkunst offenbart eine Geschichte des Öffnens und des Schenkens, des Ringens und des Scheiterns. Wissenschaft und Gesellschaft haben Wege aufgezeigt und Fäden geknüpft, wo Bürokratie und Diplomatie im Wechselspiel von auf das Völkerrecht gestützten deutschen Ansprüchen und nationalpatriotisch inspirierten russländischen Abwehrgesetzen das Bewusstsein für das Gemeinsame verloren. So wurde in den 1990er Jahren die Gunst der Stunde für eine große Einigung verpasst. Doch in Einzelfällen gelang es immer wieder, mit Geschick und Engagement juristische Mauern zu umgehen. So bleiben in der Kultur gesellschaftliche Beziehungen, die die heutigen politischen Verwerfungen nicht verhindern konnten und nicht überwinden können, wohl aber dem Auseinanderdriften widerstehen.

(Osteuropa 3-4/2017, S. 181–199)