Titelbild Osteuropa 11-12/2017

Aus Osteuropa 11-12/2017

Wahrheit und Recht
Autobiographische Erinnerungen

Arsenij Roginskij

Abstract

Als Sohn eines zu Lagerhaft und Verbannung verurteilten Vaters teilt Arsenij Roginskij früh die Erfahrung, Opfer von Willkür und staatlicher Gewalt zu sein. Der verschleierte Tod des Vaters schärft sein Bewusstsein für die Lüge und die Angst als Mittel der Macht. Nach einem Studium bei Jurij Lotman entdeckt er seine Faszination für die Suche nach der Wahrheit in der Vergangenheit. Federführend wirkt er an der Herausgabe der unabhängigen Publikation Pamjat’ (Erinnerung) mit. Die sowjetischen Sicherheitsbehörden werden auf ihn aufmerksam, 1981 wird er zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Historiker, der das Schicksal von Menschen studierte, die im ersten Lager auf den Solovki inhaftiert waren, den der Archipel Gulag elektrisierte, musste nun selbst eine Reise in die Welt der Lager mit ihrem eigenen Recht und ihrer eigenen Sprache antreten. Der politische Umbruch, der mit der Perestrojka begann, ermöglichte es, die Gesellschaft Memorial aufzubauen, deren Aufgabe es ist, über die Verletzung der Menschenrechte in der Vergangenheit aufzuklären und gegen die Verletzung der Menschenrechte in der Gegenwart zu kämpfen.

(Osteuropa 11-12/2017, S. 13–36)