Titelbild Osteuropa 11-12/2017

Aus Osteuropa 11-12/2017

Empathie und Indifferenz
Die Rehabilitierung der Opfer

Arsenij Roginskij, Elena Žemkova

Abstract

In der UdSSR wurden viele Millionen Menschen aus politischen Gründen Repressionen unterworfen. Über fünf Millionen wurden unter falschen Beschuldigungen verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tod verurteilt. Weitere sechs Millionen Menschen wurden alleine aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe enteignet und deportiert. Die Verfolgung begann unmittelbar nach der Machtübernahme der Bolschewiki 1917, noch 1987 wurden Menschen aus politischen Gründen verhaftet. Die Rehabilitierung der Opfer der großen Repressionswellen der 1930er Jahre begann nach dem Tod Stalins 1953. Einen Aufschwung erfährt sie in der Perestrojka-Zeit. Seit Ende 1991 findet sie auf der Grundlage eines bis heute nahezu unveränderten Gesetzes statt. Doch wurden bei weitem nicht alle Opfer rehabilitiert, die soziale Versorgung der wenigen, die heute noch leben, ist schlecht. Der Staat betrachtet Geschichte als Instrument, die Gesellschaft zeigt gelegentlich Mitgefühl, meist aber ist sie gleichgültig.

(Osteuropa 11-12/2017, S. 97–123)