Titelbild Osteuropa 8-10/2016

Aus Osteuropa 8-10/2016

Stalins Irrweg der Kollektivierung
Destruktive Kräfte und Lähmung der Initiative

Stephan Merl

Abstract

Die Kollektivierung der Landwirtschaft ist neben der forcierten Industrialisierung eines der zentralen Ereignisse der frühen Sowjetunion. Der Zusammenschluss bäuerlicher Privatwirtschaften zu Kollektivbetrieben veränderte die sozialen und ökonomischen Grundlagen des sowjetischen Herrschaftssystems grundlegend und beeinflusst Russlands Wirtschaftskultur bis heute. Die Bolschewiki gingen davon aus, dass die Technisierung der Bodenbearbeitung in vergesellschafteten Großbetrieben der traditionellen Bewirtschaftung überlegen sei. Doch die Aussicht auf Technik überzeugte die Bauern nicht, sich freiwillig in Kollektivwirtschaften zusammenzuschließen. Auf bäuerlichen Widerstand reagierten die Bolschewiki mit Gewalt und Zwang. Die Repressionen gegen Bauern, Viehabschlachtung und der Zusammenbruch der Getreidewirtschaft führten Anfang der 1930er zu einer Hungersnot: Ihr fielen mehr als sechs Millionen Menschen zum Opfer.

(Osteuropa 8-10/2016, S. 55–80)