Titelbild Osteuropa 8-10/2016

Aus Osteuropa 8-10/2016

Platonov lesen
Philosophie der Sprache und Elemente der Poetik

Valerij V’jugin

Abstract

Platonov gilt als schwer verständlicher Schriftsteller. Vor allem Die Baugrube erscheint äußerst hermetisch. Dies liegt daran, dass die Sprache Platonovs eine spezifische Verknappung durchlaufen hat. Er schafft eine Metasprache, die ihr Objekt weniger beschreibt als verätzt. Diese Reduktion erzeugt eine neuartige semantische Einheit, die in Zusammenhang mit dem früheren, „aufgehobenen“ Inhalt steht und zugleich einen eigenen Sinn hat, der symbolischer, abstrakter und insofern „philosophischer“ ist. Platonov ist ein philosophischer Schriftsteller, weil er auf das Philosophieren verzichtet. Er erzeugt nicht „Wahrheit“ oder „Wissen“, sondern „Zweifel“. Damit steht Platonov in einer Reihe mit den großen Autoren des 20. Jahrhunderts wie Kafka, Joyce und Beckett.

(Osteuropa 8-10/2016, S. 243–257)