Titelbild Osteuropa 4/2016

Aus Osteuropa 4/2016

Hirš Lekerts Rache
Gewalteskalation an der Peripherie des Zarenreichs um 1900

Anke Hilbrenner

Abstract

Aus der Perspektive des Zentrums waren die Ränder des Russischen Reiches geprägt von Rückständigkeit und Gewalt. Die Juden im Ansiedlungsrayon repräsentierten eine vermeintlich gefährliche Mischung aus fremden religiösen Traditionen und politischer Radikalität. Dieser Gemengelage begegnete die zarische Regierung mit besonders repressiver Politik. Im Mikrokosmos des provinziellen Vil’na im Frühjahr 1902 zeigt sich, wie imperiale und anti-imperiale Gewalt Schritt für Schritt eskalierten. Ein entscheidendes Ereignis war das Attentat des jüdischen Schuhmachers Hirš Lekert auf den Gouverneur von Vil’na, Viktor von Wahl. Lekert wurde hingerichtet, doch sein Beispiel machte Schule. Im Revolutionsjahr 1905 weitete sich die Gewalt an der Peripherie zu einem Flächenbrand aus.

(Osteuropa 4/2016, S. 7–18)