Titelbild Osteuropa 4/2016

Aus Osteuropa 4/2016

Feindbild Österreich
Der Terroranschlag in Sarajevo 1914

Edda Binder-Iijima

Abstract

Ende Juni 1914 ermordeten revolutionär gesinnte Jugendliche in Sarajevo das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar. Das Attentat war der Höhepunkt einer Serie von Terrorakten, die die Jugendbewegung Mlada Bosna seit 1910 gegen Repräsentanten der Doppelmonarchie geplant und verübt hatte. Die Anschläge waren Ausdruck der zunehmenden Spannungen zwischen den südslawischen Nationalbewegungen und den Reichszentren in Wien und Budapest, aber auch unter den südslawischen Bewegungen. Bei den Attentätern vermengten sich persönliche und politische Frustration zu einem unversöhnlichen Hass auf Österreich. Ein Übriges tat die Lektüre radikaler Schriften, die Gewalt verherrlichten, zur revolutionären Tat aufriefen und eine bessere Ordnung auf Erden nach dem Sturz der vermeintlichen Tyrannen ankündigten. Das Attentat von Sarajevo löste eine Eskalationsspirale aus, die zum Ersten Weltkrieg führte.

(Osteuropa 4/2016, S. 63–81)