Titelbild Osteuropa 1-2/2016

Aus Osteuropa 1-2/2016

Was heißt: Populismus an der Macht?

Jan-Werner Müller

Abstract

Die verbreitete Annahme, Populisten seien unfähig zu regieren, ist falsch. Populisten hegen eine spezifische Vorstellung von Politik, sie sind anti-pluralistisch und anti-elitär. Selbst an der Regierung wenden Populisten ganz bestimmte Herrschaftstechniken an. Sie stilisieren sich als Opfer, vermuten überall Verrat und stellen ihre Politik als Handeln unter einem permanenten Belagerungszustand dar. Dabei reklamieren sie einen moralischen Alleinvertretungsanspruch. Drei Aspekte dieses real praktizierten Antipluralismus stechen hervor: die Vereinnahmung des gesamten Staates, Loyalitätsbeschaffung durch Massenklientelismus sowie die Unterdrückung der Zivilgesellschaft und, wenn möglich, der Medien.

(Osteuropa 1-2/2016, S. 5–17)