Titelbild Osteuropa 1-2/2016

Aus Osteuropa 1-2/2016

Lingua tertii rei publicae
Die Sprache und das Weltbild der PiS

Adam Krzemiński

Abstract

Die „nationalkonservative Revolution“ in Polen hat ihr eigenes Vokabular. Dieses ist mit denselben Methoden zu dechiffrieren, welche die Klassiker wie Victor Klemperer zur Analyse der Sprache des Dritten Reiches oder Michał Głowiński zur Sprache der Volksrepublik Polen entwickelt haben. Aggressive sprachliche Klischees oder die Stigmatisierung politischer Gegner als „Volksverräter“ oder als „Polen minderer Sorte“ erinnern Analytiker des PiS-Vokabulars von heute „an totalitäre Propaganda“: Gleichzeitig hat sich ein positiver „Neusprech“ herausgebildet, zu dem Schlüsselbegriffe wie „guter Wandel“ oder „national“ gehören. Dahinter steckt der Versuch, die gesamte Nation rhetorisch und ideologisch zur Legitimation des eigenen Handelns zu vereinnahmen. Die Spaltung der Gesellschaft findet ihren Ausdruck in einer polarisierenden Sprache.

(Osteuropa 1-2/2016, S. 119–129)